Streuobstwiesen - Betreuung und Pflege

Aofelernte auf der Streuobstwiese / Foto: NABU Wittlich-BKS
Aofelernte auf der Streuobstwiese / Foto: NABU Wittlich-BKS

 

Der NABU Bernkastel-Wittlich bewirtschaftet  etliche Streuobstwiesen in der näheren und weiteren Region. Ziel ist es diese wichtigen Natur-Habitate für die Zukunft zu erhalten. Dazu gehört ein regelmäßiger Obstbaumschnitt.

 

Zur Offenhaltung ebentueller Weideflächen müssen ebenso regelmäßig  Besenginster entfernt werden. Dabei zielen die Pflegemaßnahmen darauf ab, viele "Landschaftselemente" in einer abwechslungsreichen Wiesenlandschaft zu erhalten. Die mosaikartige Verteilung von Hecken, Obstbäumen und Einzelbüschen im Grünland sorgen für einen Grenzlinienreichtum, der einer möglichst großen Zahl an Tieren und Pflanzen die notwendigen ökologischen Nischen bietet.

 

Konkurrierenden Arten wie Weißdorn, Eschen, Eichen, Schlehen überwachsen ohne Pflege schon mal wertvolle Obstbäume. Bei der Freistellung dieser Bäume achtet der NABU Wittlich-BKS darauf, Reste als Hecken und somit die Vielgestaltigkeit zu erhalten.

 

Ein weiteres Ziel besteht darin, Hecken vor einem "Durchwachsen" zu bewahren, wodurch Einzelbäume entstünden und der Heckencharakter verloren ginge. 

                                                                                                                                

Foto: Karin-Simone Hauth
Foto: Karin-Simone Hauth

Die alten Hochstammbäume der Streuobstflächen bieten u.a. einen idealen Nistplatz für den in der Roten Liste für RLP in der Kategorie 2, stark gefährdet, eingestuften Steinkauz;  entsprechende Nisthilfen werden angeboten.

 

 


Aha-Erlebnisse beim Obstbaumschnitt

Lehrreicher Schnittkurs in Osann-Monzel mit Gartenbauunternehmer Tobias Spang

Baumschnittexperte Tobias Spang / Foto: Kurt Valerius
Baumschnittexperte Tobias Spang / Foto: Kurt Valerius

Osann-Monzel, 3. April 2025 - Viel Wissen über Obstbäume als wertvolles Kulturgut ist in der Gesellschaft inzwischen verloren gegangen. Dabei kann ein fachgerechter Schnitt nicht nur das Leben eines Baumes verlängern, sondern beeinflusst auch, wie viel Arbeit und Betreuung er in Zukunft braucht. Unsachgemäße Schnittmaßnahmen sind heute leider vielerorts zu sehen – ein häufiger Anblick mit ernsten Konsequenzen: Bäume, die durch gut gemeinte, aber falsche Pflege dauerhaft geschädigt werden. Baumschnittexperte Tobias Spang führte den Teilnehmenden diese Problematik eindrücklich vor Augen.

Profi Tobias Spang, mit Seil gesichert in luftiger Höhe / Foto: Kurt Valerius
Profi Tobias Spang, mit Seil gesichert in luftiger Höhe / Foto: Kurt Valerius

Um genau solchen Missständen entgegenzuwirken, lud die Firma Spang Garten- und Landschaftsbau (www.garten-spang.de) interessierte Obstbaumbesitzerinnen und -besitzer des NABU Region Bernkastel-Wittlich e.V. zu einem praxisnahen Schnittkurs ein.

Der Gartenexperte nahm sich viel Zeit, um den Teilnehmenden – als Profi teils spektakulär am Sicherungsseil im Baum hängend – direkt an den Apfelbäumen auf dem NABU-eigenen Grundstück die Grundlagen des nachhaltigen Obstbaumschnitts zu demonstrieren. Viele der Anwesenden hatten sich bereits zuvor selbst an ihren Bäumen versucht, wurden nun aber auf typische Fehler und verbreitete Missverständnisse aufmerksam gemacht und konnten hier lernen, wie es besser gemacht werden kann.

Ein zentraler Grundsatz des Kurses: Ein korrekt geschnittener Baum spart in den Folgejahren sowohl dem Baum als auch seinen Besitzenden Zeit und Kraft. Ein Obstbaum, der regelmäßig einen hohen Schnittaufwand erfordert, ist häufig falsch gepflegt – zumindest außerhalb professioneller Obst-Plantagen.

Spang betonte, dass sich der Schnitt eines Baumes nicht einfach auf einen anderen übertragen lasse. Vor jedem Schnitt sollte geschaut werden, was der Baum braucht. Zu klören ist beispielsweise, ob eine Wuchsberuhigung oder aber eine Anregung dem Baum gut tut, ob mit vielen oder wenigen Früchten in diesem Jahr gerechnet werden kann. – Denn wer einfach drauflosschneidet, könnte das bereits im nächsten Jahr bereuen.

 

Einige grundlegende Schnittregeln:

  1. Alte, abgetragene Triebe bevorzugt unterhalb eines Astes abschneiden, niemals oberhalb – sonst entsteht eine Oberseitenwunde, die ein Einfallstor für Pilze sein kann.
  1. Statt unpassende Triebe komplett zu entfernen, besser auf einen günstig stehenden Nebentrieb zurückschneiden, der die neue Wuchsrichtung vorgibt.
  1. Wassertriebe nicht radikal entfernen – dies reizt die schlafenden Augen um die Schnittstelle und kann einen „Jetzt-erst-recht“-Effekt auslösen. Nur die kräftigsten entfernen, die anderen einfach belassen. Diese bilden dann Blütenknospen und im Folgejahr leckere Früchte.

Aus Liebe zur Streuobstkultur war es Tobias Spang ein Anliegen, aufzuklären und zu sensibilisieren. Der NABU Region Bernkastel-Wittlich e.V. dankt Herrn Spang herzlich für diese wertvolle Veranstaltung, die unsere Mitglieder hoffentlich vor folgenschweren Schnittfehlern bewahren konnte.

 

So sollte Baumschnitt auf keinen Fall aussehen:

Zwei Beispiele: vorher - nachher