Der NABU ist der älteste und mit seinen mehr als 700.000 Mitgliedern auch der mitgliederstärkste Umweltverband in Deutschland. 2.000 lokale NABU-Gruppen mit über 40.000 ehrenamtlichen Mitgliedern kümmern sich um den praktischen Klima-, Arten- und Biotopschutz vor Ort.
Die hauptamtlichen Mitarbeiter in den Landesverbänden und in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin unterstützen uns dabei professionell.
Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe erwirbt wertvolle Naturflächen in Deutschland, um sie als Lebensraum für bedrohte Tiere und Pflanzen dauerhaft zu bewahren.
Der NABU International setzt den Schwerpunkt der Projekte auf Klimaschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt.

 

 

 

Jetzt zur Klimakrise:                              Anpacken statt kapitulieren

 

 

 

 

 

Wir Menschen sind verantwortlich, dass Pflanzen und Tiere schneller denn je aussterben, seit ein Asteroid die Dinosaurier vernichtet hat. Wir müssen uns bewusst machen, dass die klimatischen Veränderungen heute auf unserem Planeten viel schneller und dramatischer ablaufen als jemals zuvor. Zuletzt wurden solche Temperaturen, die wir für die nächsten Jahrzehnte erwarten, vor 14 Mio. Jahren erreicht, lange vor dem Auftreten des Menschen. Unsere Spezies hat noch nie Temperaturen erlebt, wie sie uns wahrscheinlich bevorstehen.

 

Und doch versagt die Bundesregierung beim Klimaschutz. Ihr Klimapaket enthält ein Sammelsurium mutloser Ankündigungen, wodurch die Regierung erneut ihre eigenen Klimaziele verfehlt. Schon gar nicht leistet Deutschland damit seinen nötigen Beitrag, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen und eine Klimakatastrophe zu verhindern.

 

Aber: Der öffentliche Druck wächst. Wir schauen nicht mehr länger zu, wie die Regierung unsere Zukunft verheizt.

 

Heute, am 29. November, zum Beginn der Weltklimakonferenz fordern wir diese Regierung auf, endlich ein wirksames Klima und Gesetzespaket zu beschließen:

 

 

 -100 Prozent auf Erneuerbare setzen.

 

 -Mit klaren Regeln aus Kohle, Öl und Gas aussteigen

 -Durch einen Kohleausstieg bis spätestens 2030, das sofortige Verbot neuer Ölheizungen. 

 

 -Den Geldhahn für Öl, Gas und Kohle zudrehen, indem klimaschädliche Subventionen, wie die steuerliche

  Begünstigung von Diesel und Kerosin, gestrichen werden und die Förderung neuer Gasinfrastruktur beendet wird.

 

 -Ausschluss der Förderung von Intensiv- und Monokulturen wie Mais zur Biogasproduktion im EEG.

 

 -Zum Klimaschutz gehört die Verkehrs- und Agrarwende. Es braucht mehr Raum für öffentlichen Verkehr, Radfahrer

  und  Fußgänger. Wer mehr Straßen baut bekommt mehr Autoverkehr. Wer mehr Radwege baut, bekommt mehr

  Radfahrer.

 

 -Eine bäuerliche, klimafreundliche und ökologischere Landwirtschaft muss die industrielle Tierhaltung ersetzen. 

 

 -Ein CO2-Preis muss jetzt wirken und darf nicht durch einen Emissionshandel auf Jahre verzögert werden. Es braucht

  deshalb bei Wärme und Verkehr ab 2020 einen CO2-Preis von mindestens 50 Euro die Tonne, der bis 2030 auf 180

  Euro steigt.

 

 

Klimaschutz braucht Verbindlichkeit:

 

 -Das angekündigte Klimaschutzgesetz muss jährlich Klimaziele für alle Wirtschaftssektoren sicher festlegen. Werden     sie verfehlt, müssen Klimaschutzmaßnahmen nachgebessert werden.

 

 -Die Brandrodung der Regenwälder ist momentan der drittgrößte Faktor der CO2-Emissionen nach USA und China. Wir

  fordern diese Regierung auf, stärker als bisher, für die Beendigung dieses Wahnsinns einzutreten.

 

 

Wir, der NABU Deutschland fordern, zusammen mit allen Umweltverbänden, Fridays For Future und allen Menschen, denen eine lebenswerte Zukunft kommender Generationen, die Artenvielfalt als Lebensgrundlage, das Überleben von Natur, Tieren und der gesamten Menschheit am Herzen liegt, endlich aktiv und wirkungsvoll der Klimakatastrophe und Umweltzerstörung entgegenzutreten. Damit unsere Erde, dieser wunderschöne blaue Planet, ein bewohnbarer Planet mit einer lebenswerten Zukunft für Mensch und Natur bleibt.

 

 

Fridays For Future

 

 

Wir stehen vor dem möglichen Ende der Menschheit. Klimawandel, Ausbeutung der Ressourcen und Bevölkerungswachstum führen zu einem Kipp-Punkt. Die Biologie der Erde wird sich mindestens so radikal ändern wie nach der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren. Steht uns ein Massenaussterben bevor, wie jenes, das in der Vergangenheit die meisten Arten in einem geologischen Wimpernschlag ausgelöscht hat? Wollen wir in so einer Welt leben, in der Wasser und Nahrung schwer zu finden sind? Eine Welt in der ganze Städte in Ozeanen versinken und zum Ende des Jahrhunderts ein großer Teil der Menschheit und der Arten verschwunden ist?

 

Und doch reagiert die Politik viel zu zögerlich.

 

Die Bevölkerung wächst derart schnell, dass sie sich verdreifacht hat, seit ich lebe. Alle diese Menschen brauchen Nahrung und Energie und gleichzeitig sinkt die Biodiversität. Die Ressourcenknappheit führt dazu, dass sich die Menschen in Bewegung setzten, zu Klimaflüchtlingen werden und auf andere Völker treffen, was wiederum zu Feindseligkeiten, Gewalt und noch mehr Kriegen führen wird. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Vielleicht 10-15 Jahre, um die richtigen Weichen zu stellen. Die Menschheit steckt in einer kritischen Phase.

 

Wir brauchen Eure kreativen Lösungen und Inspirationen in den Bereichen Landwirtschaft, Energieversorgung, Verkehr, Sozialleben, Ökonomie und Finanzwesen, um eine neue Welt zu erschaffen.

 

Es gibt bereits vielversprechende Lösungsstrategien in all diesen Bereichen, doch fehlt der politische und gesellschaftliche Wille, diese an der breiten Basis umzusetzen. Immer noch werden uns die alten Lügen erzählt, eine andere Handlungsweise, als auf  mehr Wachstum zu setzen, sei unmöglich. Kein System kann ewig wachsen, ohne an sich selbst zu ersticken. Das jetzige kranke System nach immer mehr Geld für immer weniger Menschen hält sich selbst für systemrelevant.

 

 

 

Beispiel Landwirtschaft: Die meisten Experten sind sich einig, dass Nahrungsknappheit unser baldiges Ende besiegeln könnte.

 

Momentan schon ernähren Kleinbauern mit Familienbetrieben zu 70-75% die Welt.

 

Äußerst produktive Kleinbetriebe liefern weltweit den Hauptanteil der Nahrung, ohne großen Einsatz von Pestiziden und Maschinen. 2050 werden etwa 9 Mrd. Menschen auf der Erde leben, 70 % in Städten. Dort müssen wir die Nahrung der Zukunft produzieren. „Urban-Farming" in kleinen Agrargemeinschaften wird bereits in vielen Städten und in deren Umgebung, auch in Deutschland, mit großem Erfolg praktiziert. In vielen kleinen Biobetrieben kann, mit Hilfe von Permakulturen und Zwischenfruchtanbau, in Ökosystemen aus essbaren Pflanzen, bis zu 4- 10 x mehr Nahrung pro Fläche, angebaut werden. Es würden Millionen von Arbeitsplätzen entstehen, Ökosysteme wiederbelebt und CO2 im Boden gespeichert. Diese Agrarökologie würde den Bauern ein gutes Einkommen sichern und Nahrung für alle produzieren. Wir müssten natürlich deutlich weniger Fleisch konsumieren.

 

 

 

Von den industriellen Betrieben kommt nur ein Bruchteil an Nahrung für die Welt. Was die Produktivität pro Flächeneinheit an geht, sind die industriellen Betriebe total ineffizient. Sie sind gut darin, Geld zu verdienen aber schlecht darin Nahrung anzubauen. Es stimmt nicht, dass nur die industrielle Landwirtschaft die Welt ernähren könnte. Das ist ein Märchen der Banken-, der Chemie-, der Öl- und der Agrarindustrie. Aber das ist nicht die Wahrheit. Es ist eine glatte Lüge.

 

Großbetriebe produzieren große Mengen an landwirtschaftlichen Rohstoffen. Wenig davon dient als Nahrung. Der Großteil wird als Viehfutter oder zur Herstellung von Biotreibstoff verwendet. Führende Experten sind sich einig: Industrielle Landwirtschaft kann keine Nahrung produzieren ohne sowohl den Boden als auch die Bauern zu zerstören. Bei der industrialisierten Landwirtschaft werden Menschen durch Maschinen ersetzt, Wälder abgeholzt oder andere Ökosysteme zerstört und zu großen Feldern gemacht. Dadurch wird der Boden ausgelaugt, die Pflanzen in Monokultur werden krank und werden massenweise mit Pestiziden behandelt, die wiederum die Menschen und Tiere krank machen und zum Insektensterben beitragen.

 

Wir essen zu viel Fleisch. Die Massentierhaltung benötigt viel zu viel Fläche für den Anbau von Soja und Mais. Das Ergebnis: Wir haben global nicht mehr genug Land, um uns selbst zu ernähren. Zudem wird die Nahrung über den Erdball verschifft, was zusätzlich zur Klimaveränderung beiträgt.

 

Mit großen Subventionen stützten die Regierungen dieses kranke industrielle System, um kurzfristig die Erwartungen der Öffentlichkeit zu befriedigen. Warum entwickeln sich die Alternativen so langsam? Weil die Berater der Regierungen die Großkonzerne sind. Und deren wirtschaftlichem Interesse, nach immer mehr Profit, beugen sich die Regierungen. Welche Unternehmen könnten ein Interesse daran haben, dass sich landwirtschaftliche Methoden ändern? Diejenigen die am meisten davon profitieren. Von den 6 reichsten Firmen sind 5 Öl-Firmen. Mit Öl betreibt man Traktoren, produziert Pestizide, hält Maschinen am Laufen, verschickt Nahrungsmittel um die ganze Welt in Plastikverpackungen.

 

Können wir ohne Öl und andere fossile Brennstoffe auskommen?

 

Das können wir sehr wohl und das ist nicht nur ökologisch dringend erforderlich, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Viele Beispiele rund um den Globus zeigen, dass Energieautonomie von Städten und Gemeinden mit erneuerbaren Energien effizient, praktisch relativ schnell umsetzbar und ökonomisch hochprofitabel ist. Costa Rica 100 % erneuerbare Energie, Island 100% erneuerbare Energie, Dänemark 2050 zu 2/3 erneuerbare Energie, Kopenhagen, Reunion 2025 energieautark, viele Gemeinden in Deutschland in Energiegemeinschaften energieautark.

 

Wo der Staat versagt, müssen Städte und Kommunen einspringen. Bestes Beispiel die Bürger-Energiegemeinschaft Hunsrück-Mosel in Monzelfeld. Ziel dieser Genossenschaften ist es, die Energiewende mit maximaler Bürgerbeteiligung selbst zu gestalten.

 

Einmal amortisiert verursachen die erneuerbaren Energien kaum mehr Kosten. Wind und Wasser schicken keine Rechnung, die Sonne schickt keine Rechnung, Erdwärme schickt ebenfalls keine Rechnung. Die großen Energieversorger sind schlecht dazu in der Lage, auf erneuerbare Energie umzustellen, da kleinere lokale Einheiten, die vor Ort den Strom produzieren und verbrauchen, dazu viel besser in der Lage sind. Die Lobby der großen Konzerne bremst daher auf politischer Ebene natürlich den Ausbau der neuen Technologien.

 

Noch einmal: Wo der Staat versagt, können und müssen Städte und Gemeinden einspringen. Das müssen wir als Bürger in unserer Gemeinde einfordern. Und das tun wir heute zusammen, hier und jetzt. Natur- und Umweltschutz, der Kampf gegen den Klimawandel beginnt auch hier vor unserer Haustür, vor unseren Augen, in unseren Gemeinden. Oft fehlt es nicht mal an den richtigen Umweltgesetzen. Die konkrete Umsetzung der Theorie in realen Klimaschutz erfolgt immer vor Ort.

 

Ich lade daher nochmals alle hier Anwesenden dazu ein, sich in einer Naturschutzorganisation im eigenen Umfeld zu engagieren, anstatt dem großen Sterben der Natur und dem Klimawandel mit Trauer und dem Gefühl der Hilflosigkeit nur zu zusehen.

 

 

 

Tobias Neuberger, NABU Wittlich