Seltener Feenkrebs im Raum Wittlich gefunden

Männchen (links) und Weibchen von B. schaefferi,    Foto: L. Valerius
Männchen (links) und Weibchen von B. schaefferi, Foto: L. Valerius

Wittlich, 17.07.2017: Letzte Woche konnten die Biologen Kurt Valerius und Matthias Weitzel einen seltenen Fund verzeichnen – den vom Aussterben bedrohten Feenkrebs Branchipus schaefferi – und das im Raum Wittlich. Der letzte Nachweis (mündl. C. Faber, Kreisverwaltung Wittlich) dieser Population stammt aus dem Jahr 2007 von L. Simon.

Branchipus schaefferi ist eine äußerst seltene Feenkrebsart, die auf der roten Liste der gefährdeten Tiere steht. Sie ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz §44 geschützt und somit vom Schutzstatus mit der Seltenheit von Wolf und Luchs zu vergleichen. Der unauffällige Kiemenfüßer erreicht eine Größe von etwa 15-20 mm und lebt in temporären Gewässern, die idealerweise nur vier bis acht Wochen bestehen. In dieser kurzen Zeit entwickeln sich die Tiere und legen Eier, die als Dauereier im Sand lagern können, bis nach mehreren Jahren bei Kontakt mit Wasser noch Krebse schlüpfen. Mit dieser Strategie schützt sich die Art vor Fressfeinden und vor allem vor möglicherweise konkurrierenden Arten.

 

L. Valerius

 

Das Vorkommen nahe Wittlich wurde erstmals in den 1980er Jahren entdeckt. Zwischenzeitlich schien die Population durch Veränderung des Lebensraumes wie Verbuschung und Entwässerung erloschen. Durch eine Änderung der Schutz- und Pflegemaßnahmen durch die SGD Nord konnte dieser Lebensraum offensichtlich erfolgreich wiederhergestellt werden, sodass nach Jahrzehnten Larven aus den Dauereiern schlüpften. Mitglieder des NABU Wittlich haben Tiere aus dieser Population seit 1976 nachzüchten können und setzen sich seit Jahren für diese seltene Art ein. Die hohe Anzahl an jetzt gefundenen Tieren lässt sich möglicherweise durch die für die Krebse günstigen Niederschlagsbedingungen dieses Jahres erklären – auf eine lange Trockenzeit folgte starker Regen.

Gefährdet wird die B. schaefferi vor allem durch den Wege- und Straßenbau. Da die Tiere vor allem in kleinen Pfützen auf sandigem Untergrund vorkommen, bedeutet das Teeren und Schottern solcher Wege oftmals das Ende einer Population. Angesichts des intensiven Ausbaus von Feld- und Waldwegen ist es umso wichtiger, sich für den Schutz dieser und ähnlicher Arten einzusetzen, um das Fortbestehen der biologischen Vielfalt weltweit und auch in unserer Region zu gewährleisten. 

Beispielhafter Lebensraum, Foto: K. Valerius
Beispielhafter Lebensraum, Foto: K. Valerius