Ausgeräumt: Kein Platz für wilde Tiere 

 

Folgen einer egoistisch, anthropozentrisch orientierten (Land-)Wirtschaftspolitik

Und so erkennen wir nun ganz langsam das Ausmaß dieses Problems, sodass es sogar schon in den Nachrichten immer wieder unter den Tagesthemen erscheint und dort stark diskutiert ist.

Insekten – wozu brauchen wir sie überhaupt? Viele Menschen würden es nicht verneinen, dass sie sich manchmal die Stechmücke aus dem Zimmer oder die Wespe vom Kuchen weg wünschen. Aber was bedeutet das langfristig für uns?

Ameisenbläuling, Foto: NABU/ André Zwick
Ameisenbläuling, Foto: NABU/ André Zwick
Agrarsteppe Maisacker, Foto: NABU/ Klemens Karkow
Agrarsteppe Maisacker, Foto: NABU/ Klemens Karkow

Es war absehbar, aber dennoch befindet sich die Entwicklung der Insektenpopulation in einem dramatischen Zustand. Schon seit Jahrzehnten konnte ein Rückgang innerhalb verschiedener Arten beobachtet werden und trotzdem wurde bisher nichts Entscheidendes dagegen unternommen, um diese Arten zu retten.

Jede Tierart hat ihren Platz in der Natur und in einem Ökosystem. Insekten – und seien sie noch so unscheinbar – spielen eine wichtige Rolle im Fortbestand des Lebens auf der Erde. Angefangen bei unzähligen Ameisen, die unseren Waldboden aufräumen bis hin zu Bienen, Schmetterlingen und vielen mehr, die für die Bestäubung fast aller Pflanzen und Bäume verantwortlich sind. Ohne Insekten könnten sich Pflanzen nicht vermehren und würden so langfristig aussterben. Nicht zuletzt stellen Insekten auch eine äußerst wichtige Nahrungsquelle für Vögel und kleine Nagetiere sowie verschiedene Reptilien- und Amphibienarten dar. Irgendwo in diesem Ökosystem muss auch der Mensch existieren und sollte sich seines Platzes darin bewusst sein. Ist dies der Fall, ist auch ganz klar, wie enorm wichtig die Sechsbeiner für den Menschen sind – und das nicht nur, weil wir gerne Honig essen. Und obwohl dies so offensichtlich und logisch erscheint, haben leider zu viele unserer Artgenossen dies noch nicht verstanden.

Die rücksichtslose Bewirtschaftung großer Flächen nimmt immer weiter zu, was dramatische Folgen für deren Bewohner mit sich bringt. Bienen, Schmetterlinge sowie andere Arten, die sich von Nektar ernähren, finden auf Feldern und kahlen Äckern keine Nahrung mehr. Bunte Blumenwiesen, die unverzichtbar für Insekten sind und für viele einen Lebensraum darstellen, sieht man kaum noch. Sobald es sich für den konventionellen, subventionsgelenkten Landwirt lohnt, wird die Wiese abgemäht, inklusive all der bunten Blüten, wenn man denn überhaupt noch etwas anderes als genmanipulierte Pflanzen wachsen lässt. Das nimmt nicht nur das Futter, sondern vielen Insekten auch den Schutz vor Fressfeinden, die ihre Beute im kurzen Gras schnell entdecken. Aber auch für jene sieht es schlecht aus: Vögel finden schlichtweg nicht genug Nahrung, da diese, die Insekten, bereits vom Menschen getötet wurde. Noch schlimmer aber sind die auf Feldern eingesetzten Pestizide, die entweder Pflanzen oder Tiere vergiften. Vollkommen auf den Ertrag einer Fläche fixiert, wird brutal gespritzt, was Insekten keine Chance lässt. Zum einen werden Gifte gezielt gegen die Tiere selbst eingesetzt, sodass sie nicht mehr von den Pflanzen fressen können, wie es beispielsweise Raupen tun. Andererseits gibt es aber auch Stoffe, wie das aktuell besonders stark diskutierte Glyphosat, die „Unkraut“ zerstören sollen. Ärgerlich nur, dass die als Unkraut bezeichneten Pflanzen eben jene sind, die Insekten noch Nektar bieten. Studien berichten von einem örtlichen Insektenrückgang von bis zu 80%. Lokal zeigen sich zwar vereinzelt Verbesserungen, dennoch ist die Populationsentwicklung insgesamt schockierend. Wenn der Mensch nicht allmählich beginnt, sein Handeln zu überdenken und grundlegend zu ändern, wird er in absehbarer Zukunft ganz anderen Problemen gegenüberstehen, kurz zusammengefasst in der Frage, wie man in einem kaputten Ökosystem leben soll. Der Mensch kann sich nicht weiter distanzieren und die Augen schließen, denn auch den egoistischsten Denker wird es irgendwann treffen.

 

 

 

Lucca Valerius, 22.12.2017

Streuobstwiese, Foto: NABU/Gerold Franke
Streuobstwiese, Foto: NABU/Gerold Franke